Plastikfrei einkaufen, geht das?


Mit einfachen Zutaten lassen sich Pflegeprodukte und Reinigungsmittel herstellen.

Wie kann man im eigenen Alltag dazu beitragen, weniger Verpackungsmüll zu produzieren? Diese Frage stellte sich Andreas Arnold, inspiriert vom Film „Plastic Planet“, und begann sich mit seinen Konsumgewohnheiten auseinanderzusetzen. Auf seinem Blog „Plastic Diarybeschreibt er seine Schritte hin zu einem platikfreien Leben. Am Sonntag berichtete er im Rahmen der Vortragsreihe „Zero Waste und was davon übrig bleibt“ über seine Erfahrungen.

Ich möchte nicht die Argumente bringen, dass die Strände und Ozeane voll mit Plastik sind. Um die Auswirkungen genau zu beschreiben, reicht die Studienlage noch nicht aus. Mir geht es vor allem um die Ressourcenverschwendung, wenn die Verpackung eines Produkts nur ein einziges Mal für einen sehr kurzen Zeitraum genutzt wird“, steigt Arnold in seinen Vortrag ein. Ein klassisches Beispiel: Der Coffee-To-Go-Becher. „Muss ich ein Produkt, das so lang unterwegs war und das zu 90 Prozent unter Arbeitsbedingungen produziert wurde, die ich niemandem zumuten möchte, so konsumieren, als wäre es Wasser?“ Arnold verzichtet lieber darauf, schlägt aber den Kaffeesüchtigen vor, wiederverwendbare Keramiktassen und Silikondeckel mitzunehmen, denn es sei schade, wenn der Becher aus einem Papp-Kunststoffgemisch nach vielleicht sieben Minuten Nutzung in der Müllverbrennung landet.

Seit drei Jahren versucht Arnold so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Im April hat er am „Experiment Gelber Sack“ teilgenommen. Für vier Wochen hat er seinen täglich anfallenden Müll protokolliert. Mit erstaunlichen Ergebnissen. Mit hochgerechnet 15 Kilogramm Altglas pro Jahr liegt er bei der Hälfte Durchschnittverbrauchs in Deutschland. Für Plastikmüll fiel das Ergebnis noch viel signifikanter aus: „Ich kam auf 1,6 Kilogramm Plastikmüll pro Jahr. Der Durchschnitt liegt bei 71 Kilogramm.“

Wie er das macht? Er kauft hauptsächlich unverpackte Waren und deponiert überall Stoffbeutel, um nicht in die Bredouille zu kommen, doch mal auf Plastiktüten zurückgreifen zu müssen. Zudem verzichtet er darauf, Kosmetika, Pflege- und Reinigungsprodukte zu kaufen, sondern stellt sie lieber selber her. Im Publikum stößt er dabei auf Resonanz. Einige verwenden bereits selbstgemachte Zahnpasta, Deos oder Shampoo. Aber nicht alle kennen die Rezepte. So lässt sich eine Deocreme beispielsweise aus zwei Anteilen Kokosöl, einem Anteil Natron und einem Anteil Speisestärke herstellen. Mit wahlweise ein paar Tropfen ätherischen Öls riecht sie auch noch angenehm. „Ein Glas Deo hält ewig“, bekräftigt Arnold. Ähnlich einfach lässt sich Shampoo oder Peeling-Creme herstellen. Statt Zahncreme benutzt er Zahnsalz: „Mit einem Mörser Speisesalz und getrockneten Salbei zerreiben. Das feine Pulver kann man dann mit der nassen Zahnbürste wie Zahnpasta verwenden.“ Für die Reinigung des Haushalts empfiehlt er einfach nur warmes Wasser. „Ab einer bestimmten Temperatur lösen sich auch die Fettbestandteile, da braucht es keine Tenside.“ Für den Sanitärbereich gibt er Zitronensäure oder Essigessenz hinzu, denn das helfe gegen den Kalk.


Der „FreiRaum“ der Free School ist voll. Das Thema scheint großen Zuspruch zu finden.

Arnold findet sein Vorgehen weder zeit- noch kostenintensiv: „Meine Kosten sind sicherlich um ein Drittel geringer, als wenn ich alles im Supermarkt kaufen würde. Und wenn man den Weg zum Einkauf und das Herunterbringen des Hausmülls gegenrechnet, ist es auch kein Mehraufwand an Zeit.“

Auch wenn vielleicht nicht alle Ideen auf den ersten Blick überzeugen, so haben die einen oder anderen sicherlich ein paar Inspirationen mitnehmen können. Arnold betont: „Man muss dem Ganzen eine Chance geben und es einfach mal ausprobieren.“